Die 2020er Jahre werden voraussichtlich das Jahrzehnt des „glokalen“ Wandels – jetzt ist die Chance zu ergreifen, veraltete Systeme zu transformieren, indem wir die Gelegenheit nutzen, eine Erholung von der verunsichernden Pandemie mit allen Vorteilen einer nachhaltigen Entwicklung zu kombinieren.

Vor diesem Hintergrund – und da die besten Ideen in einem konstruktiven Austausch entstehen – konzipierten die Kooperationspartner studio MM04, Sqetch & Beneficial Design Institute für die zweite Ausgabe des 202030 – The Berlin Fashion Summit ein weiteres Online-Format, das Ende August sowie während der drei Publikumstage vom 7. bis 9. September 2021 stattfand.

Mit dem Ziel, Aktionen zu fördern, die wirklich einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft, die Umwelt und die Modebranche haben, lädt der Summit Menschen aus verschiedenen Teilen der Branche ein, an unseren Workshops teilzunehmen und die anschließenden  Podiumsgespräche, Keynotes, Interviews und Vorträge rund um folgende Thematik zu verfolgen:

Ecosystems – How to implement positive impact?

Referenten aus verschiedenen Disziplinen, wie die britische Modeforscherin Prof. Dr. Kate Fletcher sowie Clare Press (Wardrobe Crisis Podcast / Vogue Australia), Zukunftsforscher Matthias Horx, Cecilie Thorsmark (Copenhagen Fashion Week) oder Dematrialisierungs-Champion Amber Jae Slooten wurden als ausgewählte Branchenexperten eingeladen und lieferten wertvolle Einblicke für mehr als 2000 registrierte Teilnehmer aus fast 50 verschiedenen Ländern während der Berlin Fashion Week.

Die September Ausgabe des Summit hob Ökosysteme als Lebensgrundlage und Inspiration hervor, um die Lebensqualität im Allgemeinen sowie ganzheitliche, zukunftsweisende, agile und antifragile Lösungen für die Mode zu fördern. Im Fokus standen Beziehungen und Interaktionen, wie sie im lokalen Berliner Ökosystem zu finden sind, das sich als Co-Creation Labor und Innovationsnetzwerk par excellence präsentiert.

Wir freuen uns sehr über das positive Feedback des Publikums sowie über die Ergebnisse des Pop Up Think Tanks, der stattfand, um Modeökosysteme zu überdenken sowie deren potenzielle positive Auswirkungen auf Menschen und Umwelt maßgeblich zu definieren und zu messen.

Dies sind einige der Schlussfolgerungen aus den Expertendebatten, die eine erfolgreiche Transformation in der Modebranche unterstützen können:


Wir brauchen eine sofortige zirkuläre Transformation, die für alle von Vorteil und zugänglich ist. Wir müssen die besten Kreislaufpraktiken fördern und unsere Tools offen teilen, um Transparenz und Rückverfolgbarkeit zu implementieren.

– Verantwortung zu übernehmen, muss sich lohnen – Kreislaufwirtschaft muss für alle gewinnbringend umgesetzt werden. Wir müssen Direktinvestitionen in wirkungsvolle zirkuläre, nutzbringende Lösungen und Innovationen fördern und „ökologische Schäden und Ressourcenerschöpfung auspreisen“.

„Eines der Kennzeichen, die wir in den letzten dreißig Jahren in Mode- und Nachhaltigkeitsbewegungen gesehen haben, war der Versuch, die Verantwortung von einer Gruppe auf eine andere abzuwälzen.“
(Prof. Dr. Kate Fletcher)

– Daher brauchen wir eine rechtliche Anpassung an die Zirkularität mit neuen Gesetzen und Standards, die positive Auswirkungen und Chancengleichheit fördern und gleichzeitig einen gerechten Übergang gewährleisten, indem wir Grenzwerte für Branchen festlegen, Steuersenkungen ermöglichen und bewährte Verfahren subventionieren – durch eine abgestimmte Gesetzgebung, die messbare Zirkularität und Nachhaltigkeitsansprüche definiert.

„Wenn wir verstehen, dass nicht nur die Produktionsformen Probleme machen, sondern auch die Ordnung der Volkswirtschaften und die Logik der Märkte, dann reicht es nicht, von einer nachhaltigen Textil- und Modewirtschaft zu sprechen. Es geht um die Neugestaltung von Märkten, Ökonomien und gesellschaftlichen Zusammenhängen.“
(Prof. Dr. Sebastian Sierra-Barra)

– Es ist entscheidend, den kulturellen Wandel herbeizuführen – einen Mentalitätswandel, der Zirkularität zum Ziel hat – der es „das neue Cool“ werden lässt. Positive Impact muss zu einem gemeinsamen und ganzheitlichen Verständnis, Denken und Handeln werden, das tief in unserer Gesellschaft verankert ist.

„Ich würde mich kurzfassen und sagen, dass eigentlich der größte Antrieb für Veränderung darin besteht, (…) mit der Bildung der Menschen zu beginnen.“
(Daniel Pinto)


Zusammenfassend können wir sagen, dass der Wandel in eine nachhaltige Zukunft von allen Branchen mitgetragen werden muss, also geschlossen auf ein gemeinsames Ziel hingearbeitet werden muss. Dazu müssen wir auf gesellschaftlicher und gesetzgebender Ebene Messungen, Normen und Vorschriften klar definieren. Darüber hinaus ist es entscheidend, Verbraucher, Hersteller und Lieferanten aufzuklären, um Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft einen neuen Stellenwert in unserer Gesellschaft zu geben. Nur durch eine informierte Gesellschaft können wir einen nachhaltigen Wandel in der Mode- und Textilindustrie hin zu einer nachhaltigen und zirkulären Zukunft sicherstellen.

Der Summit ist vorerst zu Ende, aber die nächste Ausgabe wird bereits vorbereitet und alle verfügbaren Materialien und Ressourcen wurden zusammengefasst, um sicherzustellen, dass Sie in der Diskussion nicht außen vor bleiben!

Viel Spaß damit – bis zum neuen Jahr!


Pop Up Think Tank – Workshops

Als Auftakt zum 202030 Summit wurden die drei Pop Up Think Tank Experten-Workshops, rund um die drei thematischen Schwerpunktfelder des Summits organisiert, unter der Leitung von Sqetch und dem Benefical Design Institute. Diese waren nicht für die breite Öffentlichkeit zugänglich und dienten als offener Raum für Fachleute, um hochwertige Inhalte und klare Botschaften für den öffentlichen Summit zu formulieren. Vielen Dank an alle Teilnehmer und insbesondere an die Studierenden des AMD Akademie Masterstudiengangs ‚Sustainability in Fashion and Creative Industries‘ Isabella Rhein und Sarah Guggenbühl sowie Anabelle Grundmann für ihre Beiträge.

Schauen Sie sich hier die Ergebnisse der Pop Up Think Tanks an:

Workshop #1 Circular Systems – How to implement positive impact

Klicken Sie hier, um die Präsentation zu downloaden.

Workshop #2 Local Ecosystems – How to organize positive impact

Klicken Sie hier, um die Präsentation zu downloaden.

Workshop #3 Valuation Systems – How to define quality and measure impact

Klicken Sie hier, um die Präsentation zu downloaden.


The 202030 Summit

Anschließend dienten die drei Summit Tage als professionelle öffentliche Bühne des 202030 The Berlin Fashion Summit und zielten darauf ab, den Dialog gegenüber einem breiteren (Branchen-) Publikum durch kompakte konstruktive Beiträge und Einblicke zu öffnen. Dieser war in die gleichen drei Thementage unterteilt:

Day #1 Circular Systems – How to think and design positive impact?

Magdalena Schaffrin und Max Gilgenmann vom Studio MM04 eröffneten den Summit mit einem herzlichen Willkommen, gefolgt von Prof. Dr. Sebastian Sierra-Barra von der FH Berlin, der das Publikum mit seiner Keynote zu „Fashion and the Anthropocene“ begeisterte. Ein weiteres Highlight des ersten Tages war das Interview mit der nachhaltigen Mode-Pionierin Prof. Kate Fletcher vom Centre for Sustainable Fashion, London, die auf die Frage „Was muss die Mode für den Planeten tun?“ hinwies. In der ersten Podiumsdiskussion debattierten Matthias Fuchs von OceanSafe, Prof. Dr. Melanie Jaeger-Erben von der TU Berlin, Lavinia Muth von Armedangels und Daniel Magunje von Lablaco über „das Potenzial positiver Wirkung durch zirkuläre Modesysteme“. Nach einer kurzen Pause gab Matthias Horx vom Zukunftsinstitut GmbH dem Publikum einen Ausblick in die Zukunft: „Gutes Design im weitesten Sinne, ist nicht nur Oberflächengestaltung und würde überall auf der Welt funktionieren. Wegen des Ausmaßes an Konnektivität ist der Dialog zwischen Menschen und Natur universell“. Darüber hinaus enthielt diese Summit Ausgabe ein neues Format: „Collaboration Talks“, bei dem Fachleute erfolgreich an zirkulären Modesystemen zusammenarbeiten und ihre Erfahrungen und Erkenntnisse austauschen.

Day #2 Local Ecosystems – How to organize and foster positive impact?

Orsola de Castro von Fashion Revolution eröffnete den Tag mit ihrer Keynote „Local Culture – glocal impact“ und betonte, dass die wichtigste Maßnahme für resiliente Modesysteme die Stärkung lokaler Ökosysteme ist. Im Anschluss zeigte Christine Henseling vom Institut für Zukunftsstudien und Technikfolgenabschätzung in ihrem Vortrag „Circular City Berlin“ wie Zirkularität in Berlin funktioniert. Und welche Kraft steckt in lokalen Ökosystemen? Diese Frage diskutierten Afra Gloria Müller vom Send e.V., Arianna Nicoletti von Circular Berlin, Prof. Günter Faltin von der Stiftung Entrepreneurship, Leon Reiner vom Impact Hub Berlin zusammen mit Max Gilgenmann vom Studio MM04. Wie lokale Ökosysteme organisiert und gefördert werden können, wurde mit einer Ökosystemkarte von Berlin als Ergebnis des Pop Up Think Tanks präsentiert, der von Prof. Friederike von Wedel-Parlow vom Beneficial Design Institute und Sqetch‘s CEO Marte Hentschel kuratiert wurde.

„Wir können tatsächlich Veränderungen in der Branche vorantreiben, und das ist eine neue Rolle für die Fashion Week“
(Cecilie Thorsmark, Copenhagen Fashion Week)

Day #3 Valuation Systems – How to define quality and measure impact?

Der dritte Tag des 202030 – The Berlin Fashion Summit stand ganz im Zeichen von Bewertungssystemen und konzentrierte sich auf die Definition von Qualität und Tools zur Messung des tatsächlichen Wirkungsgrades.

Kim Scholze von Sympatex eröffnete den letzten Summit Tag mit ihrer Keynote „Chemistry of Fashion – quality and impact“ und behauptete: „Es wird einen neuen blauen Ozean geben, und der heißt Nachhaltigkeit“. Als Nächstes interviewte Geraldine de Bastion vom Global Innovation Gathering Prof. Dr. Michael Braungart von EPEA – Internationale Umweltforschung, um Antworten auf die Frage „Wie schätzt und misst man wahre Qualität?“ zu finden. Das erste Panel des Tages beschäftigte sich damit, wie wir uns auf Fashion Impact-Kriterien einigen können. Es wurde mit Alexander Nolte von Stop! Micro Waste, Dr. Max Marwede vom Frauenhofer IZM, Nora Vehling von Fashion Revolution Germany, Varena Junge von Yook diskutiert, in Moderation von Max Gilgenmann. Darüber hinaus interviewte Magdalena Schaffrin Claudia Hofmann, Gründerin des Claudia Hofmann Studios und Mitbegründerin des Fashion Council Germany, zu ihrer Meinung zum Thema „Wie man wahre Qualität erfasst“. Anschließend, nach drei erfolgreichen Summit-Tagen, schlossen wir die Veranstaltung mit einem herzlichen „Auf Wiedersehen und bis zum Frühling!“ ab.


Stay tuned:

Besuchen Sie die Website 202030 – The Berlin Fashion Summit, um Zugang zu allen Neuigkeiten und Ressourcen zur kommenden Ausgabe des Summits zu erhalten.

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Die dritte Ausgabe findet Anfang 2022 statt, der genaue Termin wird in Kürze bekannt gegeben.

Verfolgen Sie die Veranstaltung:

202030 – Der Berlin Fashion Summit wird organisiert vom Studio MM04 in Kooperation mit Sqetch und dem Beneficial Design Institute. Gefördert durch die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe Berlin. Partner der Berliner Fashion Week.

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